Mittwoch, 28. September 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (2)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga



In der Musik: 

Da kommt einem natürlich zuerst einmal der Paso Doble in den Sinn. Nicht umsonst kennt man Ohrwürmer wie España cañi von Pascual Marquina Narro (1873 – 1948). Und so wurden einige Paso Doble zu Nummer Eins Hits in Spanien. Wie zum Beispiel 1912 El gato montés von Manuel Penella Moreno (1880 – 1939). Oder 1924 das berühmte Valencia von José Padilla (1889 – 1960). 
Und was wäre die Opernwelt ohne Carmen von Georges Bizet (1838 – 1875), welche erst, nach dem Tod des Komponisten, bei der Wiederaufführung in Wien 1875 zu einem internationalen Erfolg wurde. 
"Carmen"
Das sich Literatur mit Musik verbinden kann zeigt hier der Llanto por Ignacio Sánchez Mejías mit dem Text von Federico García Lorca (1898 – 1936) und der Musik von Maurice Ohana (1913 – 1992). 
Auch im Flamenco sorgt der Stierkampf für viel Dramaturgie. Ob Gesang, Gitarre oder beides, in Spanien hat es viele bekannte Namen hervorgebracht, wie unter anderem den Sänger Pepe Marchena (1903 – 1976) oder den Gitarristen Manolo Sanlúcar (geb. 1943) der die Magie der tauromaquia mit seiner bekannten Tauromagia (man achte auf das „gia“ statt dem „qìua“) umsetzt. Nicht umsonst ersetzen Flamencomusiker bei besonderen Stierkämpfen den Paso Doble. 

Im Tanz:


Wo Musik ist kann auch getanzt werden. Und da holt uns zunächst der Paso Doble wieder ein. Und werden nicht die Schritte eines toreros und seine Bewegungen nicht öfters mit der von Balletttänzern verglichen? Nichts versinnbildlicht heute mehr den Stierkampf auf der ganzen Welt als dieser Tanz im 2/4 Takt (ursprünglich im 3/4Takt). Seit 1963 gehört er sogar zum Pflichtprogramm der lateinamerikanischen Tänze.

Aber nirgends findet der Stierkampf soviel theatralischen Ausdruck wie beim Flamencotanz. Die ernsthaften bis verzerrten Gesichter, die gespannten Körperhaltungen und die kontrollierten Bewegungen bis hin in das kleinste Detail spiegeln alle Dramatik einer Corrida de toros wieder. Auch öfters mal in Deutschland zu sehen der aus Sevilla stammende Israel Galván (geb. 1973) mit seinem 2004 entstandenen Programm „Arena“. Hier stellt der Tänzer alles selber dar: Den toro, den matador de toros, den banderillero und auch das Leben und den Tod, und zu der Choreographie ließ er sich durch die Zeichnungen „La Tauromaquia“ von Francisco Goya inspirieren. Von Kunst zu Kunst.
Die tauromaquia mit Musik und Literatur tänzerisch dargestellt. Auch das gibt es. Die Poesie Llanto por Ignacio Sánchez Mejías von Federico García Lorca (1898 – 1936) wurde im Jahr vom andalusischen Flamenco Ballet umgesetzt und aufgeführt.
Torodora Gorges, SfA-Leser bestens bekannt, geht auf die Poesie über den tragischen Tod des toreros Sánchez Mejías von Lorca ganz besonders auf ihrer Seite torodoro ein.
Im Film:

Erstaunlich dass bei soviel Dramaturgie, so vielen Tragödien, der Stierkampf beim Film nie so richtig den Durchbruch schaffte. Das liegt wohl auch daran, dass mit dem Medium Film eine sehr breite Masse angesprochen wird, und mit der mundo de los toros eben wohl nicht der angestrebte Gewinn zu finden sei. Hollywood & Co. trauten sich an dieses Thema nicht ran. Doch ein kleiner mexikanischer Junge namens 
Leonardo schaffte es 1956 in dem Film „Roter Staub“ tausende von jungen Zuschauern zum Weinen zu bringen, als sein toro Gitanillo begnadigt worden ist. 

Und noch jemand traute sich in den Vereinigten Staaten an die toros ran. Na ja, zumindest einen toro. Walt Disney verfilmte 1939 das Buch Ferdinand der Stier, wofür er einen Oscar erhielt. Der erste Oscar für die mundo de los toros.
Und in Spanien? Ein paar Billigproduktionen, oft mit Coplaeinlagen vermischt, für den eigenen Markt – das war es eigentlich auch schon.  


Nur der spanische Regisseur Pedro Almodóvar (geb. 1951) wagte den Sprung mit der Thematik des Stierkampfs auf die internationale Bühne. Und mit Erfolg: „Matador“ aus dem Jahre 1986 mit Antonio Banderas. 
2002 gab es sogar einen Oskar für den vielgerühmten Film „Sprich mit ihr“, wo eine Stierkämpferin im Zentrum des Geschehens steht. Der zweite für die mundo taurino.
Dann war wieder Stille. Und erst 2008 wird die internationale Filmgemeinde gleich mit zwei Stierkampfproduktionen überfallen: Im November 2008 wurde in den Vereinigten Staaten der Dokumentarspielfilm „The matador“ mit einem „echten“ matador de toros, dem populären David Fandila „El Fandi“ aufgeführt. 
Und Hollywood mischte sich wieder ins Geschehen und mit Oscarpreisträger Adrian Brody der den legendären Torero Manolete verkörpert, welcher 1947 von dem Miura-Stier Islero in Linares getötet worden ist, sowie der spanischen Schauspielerin Penélope Cruz als seine große Liebe, wollte man grosse Ziele erreichen. Vielleicht sogar den dritten Oscar?  Grosses Kino wurde angekündigt, doch an Passion sollte es wohl fehlen. Manolete - Blut und Leidenschaft:
Und für Dezember erwartet die afición einen Film aus Südamerika, dort wo die toros einen wichtigen Bestandteil bei den fiestas zu Pfingsten spielen:


Fortsetzung folgt!

Dienstag, 27. September 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (1)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga

I
st Stierkampf Kunst? Für die antitaurinos scheint die Antwort eindeutig. Alles was mit der mundo taurino zu tun hat sei eine Barbarei. Die Akteure, die toreros sind Tierquäler, die Zuschauer in den tendidos mit sadistischen Anlagen versehen … nein das habe mit Sicherheit nichts weder mit Kunst noch mit Kultur zu tun. 

Gehen wir doch mal ins Detail: Unter Kunst versteht man das Ergebnis einer menschlich kreativen Gestaltung. Auf eine corrida übertragen wäre das Ergebnis der Tod des toros. Doch dass der Tod selbst als Vollendung künstlerischen Schaffens nicht in Frage kommt, versteht sich von selbst. Es sei denn, Sterne Köche a la Ferran Adriá verwandeln dieses Endprodukt durch molekulare Einflüsse zu einem kulinarischen Kunstwerk. Jedoch findet sich sehr wohl der Tod als ein Mittel zur Kunst, wie es sich in so zahlreichen Kunstwerken reflektiert. Denken wir zum Beispiel an die Guernica von Pablo Picasso

Unter Kunst verstehen wir aber auch die Entwicklung zum Ergebnis. Den Prozess selber, wie wir ihn auch in der akustischen Darstellung von Musik wiederfinden. Und genau da schafft der Stierkampf, mit seinen Bewegungsabläufen, dem Spiel der Farben, den Effekten durch Licht und der Schatten, der Musik, dem Ambiente und seiner Dramatik viel Freiraum für kreative Gestaltung. Gerade in dieser theatralischen Darstellung mit dem beinahe unabwendbaren Ergebnis des Todes sehen viele Künstler eine Herausforderung. Und so reflektiert sich der Stierkampf in zahlreichen künstlerischen wie kulturellen Gattungen. 

In der Malerei: 


Die Zeichnung "So verherrlicht sich der wilde toro" von Johannes Stradanus (1523)
Die älteste noch existierende Zeichnung stammt von dem belgischen Künstler Johannes Stradanus und stammt aus dem Jahr 1523. SfA hat über die erste Zeichnung des Stierkampfs berichtet. Diese Zeichnung ist im Museum der tauromaquia in Málaga zu sehen.

Der wohl wichtigste Vertreter dieser Gruppe dürfte wohl Francisco de Goya (1746 – 1828) sein. Seine berühmte „La Tauromaquia“ bestand aus 44 Radierungen (von denen heute noch 40 erhalten sind) und ist zwischen 1814 und 1816 entstanden. Nicht weniger unbedeutend seine Darstellungen des toreros José Delgado 'Pepe Illo' (1754-1801), vor allem seinen tragischen Tod in der Plaza de toros von Madrid
Die wohl beiden bekanntesten Serien der La Tauromaquia.
LINKS: 
Pablo Picasso RECHTS: Francisco Goya

Der zweite große Name im Bereich der malerischen tauromaquia kommt aus MálagaPablo Ruiz Picasso (1881 – 1979). Erst ein Besuch einer corrida de toros in dem französischen Arles 1957 inspirierte den Künstler zu einer eindrucksvollen grafischen Umsetzung über die Kunst des Stierkampfes. Schon mit acht Jahren zeichnete er sein erstes Bild taurino. Der kleine Picasso war schon in jungen Jahren von den Stieren fasziniert. Kein Wunder also, dass die toros ein Teil seines Lebenswerkes wurden.
"Le Picador", Pablo Picasso (1889)
Erwähnt seien noch grossartige Künstler wie Ignacio Zuloaga y Zabaleta (1870 – 1945), Eduard Manet (1832 – 1880), Joaquín Sorolla (1863 – 1923), Daniel Vázquez Díaz (1882 – 1969), Eugenio Lucas (1858 – 1918), Roberto Domingo (1883 – 1956), Luis Calderón Jácome (1932 - 2005) Martínez de León (1895 – 1978) und die Illustrationen von Gustavo Doré (1832 – 1883) und Pharamond Blanchard (1805 – 1873) die wir in den Büchern „Voyage en Espagne“ bzw. in der kurzen Form von „Reise in Andalusien“ von Théophile Gautier finden. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.  
"Torero matando toros" Toros tötender torero, Gustavo Doré (Paris, 1867)
Auf den Stierkampfplakaten:  

Das erste cartel de toros kündigte zwei corridas de toros an, welche am 19. und 30. September 1737 in der ersten festen Plaza de toros Soto de Luzón von Madrid statt fanden. 
Das bis jetzt älteste cartel taurino aus dem Jahr 1737, noch ohne Zeichnungen
Im Laufe der Zeit entwickelten sich die carteles  und auch heute noch ist man teilweise bestrebt künstlerischen Anspruch zu stellen.Naheliegend ist es wohl, dass sich einige Künstler in der Gestaltung von den carteles übten. Also Plakate welche die festejos taurinos ankündigen. 
Carteles taurinos aus den Jahren 1852, 1902 und 1965
Ohne darauf näher einzugehen hier ein Kuriosum: Sie hat immer an der barrera gesessen und dabei oft gleich drei Plätze eingenommen - damit sie ihre Malutensilien ausbreiten konnte. Mit Tusche fing die aus Wiesbaden stammende Künstlerin Edith Hultzsch die Bewegungen von toros und toreros ein. 1981 war sie die erste und bisher einzige Deutsche, die den Wettbewerb für das cartel taurino zu den Fiestas de Sanfermin in Pamplona gewinnen konnte.
Siehe SfA-Reportage Edith Hultzsch in der ersten Reihe


 In der Bildhauerei: 

Wer sich in der Dekorationsabteilung des spanischen Kaufhauses El Corte Inglés umschaut, hat mit Sicherheit schon einmal die metallenden Kopien von dem spanischen Bildhauer Mariano Benlliure (1862 – 1947) gesehen. In seinen Figuren spiegelt sich die gesamte Kraft der toros bravos wieder. Dekorativ für einen jeden aficionado der auch die Möglichkeit hat, diesen dekorativ zur Schau zu stellen.


Fortsetzung folgt

Sonntag, 25. September 2016

Die Stierkampfarena: Ein runder Spiegel der Menschlichkeit




von Mariate Cobaleda

Die studierte Philosophie- und Erziehungswissenschaftlerin ist 1962 in Salamanca geboren, wendet sich nicht nur als Abgeordnete der Partido Popular der Politik zu, sondern interessiert sich auch voller Leidenschaft für die mundo de los toros. Bei der tauromaquia fasziniert vor allem ihre afición für das campo bravo. Und so versteht es sich, dass sie sehr wohl als Politikerin versucht Aufklärungsarbeit im Parlament zu leisten, damit dieses wiederum in der Lage ist, die tauromaquia als Kulturerbe zu rechtfertigen, zu schützen und zu fördern. Als Philosophin versteht sie es bestens im toreo die besondere Symbolik reflektieren zu lassen. Ihre Kernaussagen sind klar und verständlich: Der toro ist nicht nur eine Metapher, sondern das Emblem, die Personifizierung von Spanien. Es symbolisiert das Land, seinen geistlichen Hintergrund und vertritt die ethischen Werte.
Marianne Cobaleda mit dem matador de toros José Tomás
"Die plaza de toros hat sich den Kosmos als Vorbild genommen. 
Das Spiel zwischen sol und sombra reflektiert sich in einer plaza, welche sich dem Himmel zuwendet, dem Licht entgegen, eben wie ein jeder Tempel, welcher sich nach Osten orientiert. 
Und trotz aller Krise bleibt die plaza de toros ein runder Spiegel der Menschlichkeit auf der Suche nach dem Ideal des Seins. Mit Courage und Noblesse bis hin zu den Grenzen der Existenz um dann die puerta grande zu öffnen. Die puerta grande zum Licht."

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Quellennachweis:
El simbolismo del toro: la lidia como cultura y espejo de humanidad, Mariate Cobaleda
Madrid Biblioteca Nueva, 2002



Samstag, 24. September 2016

Wenn Antitaurinos Geschichte schreiben wollen





von Philip de Málaga


Über die Verhältnismässigkeit bei Demonstrationen der Antitaurinos
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Immer wieder versuchen die antitaurinos in die Schlagzeilen zu kommen. Doch nach den nach dem Tod des toreros Victor Barrios ausufernden Beleidigungen tun sich seriöse Tierschützer mit diesem Thema noch schwerer. Ein Grund mehr es einmal wieder mit Masse zu probieren. Die Strassen der spanischen Hauptstadt sollten sich zu einem historischen Rekord in Sachen abolición de los toros füllen. Überall versuchte man dafür zu werben, sogar einige Medien berichteten über die Pläne der PACMA.
Die PACMA bereitet die grösste antitaurinische Demonstration der Geschichte in Spanien vor.
Und am Samstag den 10. September begann ein weiteres Kapitel der misión abolición mit einer Kundgebung auf dem Platz Puerta del Sol in Madrid. Und in der Tat schafften mehrere Tausend den Weg dorthin. Mit Bannern und Megaphonen bewaffnet gaben sie sich lautstark gegen die mundo de los toros zu erkennen.
Doch wer einen Blick in die Runde warf erkennt schnell, von historischem Werten war die Manifestation weit entfernt. Die offiziellen Stellen sprachen von 4.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 6.000. Wie auch immer, mehr waren es auf keinen Fall.

Da denkt man spontan an die Demonstration für die tauromaquia in Valencia im März diesen Jahres, da konnte die mundo taurino wohl mehr Menschen bewegen auf die Strasse zu gehen. Während offizielle Stellen von mehr als 10.000 Menschen sprachen, wollen die Veranstalter an die 30.000 Beteiligte gesehen haben, was auch grösstenteils von den Medien bestätigt worden ist.
LINKS: Demo in Madrid gegen die toros: 4.000 bis 6.000 Besucher
RECHTS: Demo in Valencia für die toros: 10.000 bis 30.000 Besucher
Kommen wir zurück zum Samstag im September, wo der antitaurinismo versuchen wollte die Strassen der spanischen Hauptstadt zu erobern. Beim direkten Vergleich mit Valencia hat die PACMA schon den Kürzeren gezogen. Wie aber sah es denn an diesem Tag in den plaza de toros aus? Die Antwort ist statistisch klar erfasst. Zum selben Zeitpunkt fanden in Spanien 43 corridas statt, welche von 85.000 zahlenden aficionados aufgesucht worden sind. In Frankreich gab es 2 corridas welche 20.500 Besucher zählten. Hier eine kleine Auswahl der ausverkauften plazas, der Zuschauerzahlen und den angetretenen toreros:

  • Arles: 13.000 Besucher - No hay billetes
    • Luis Francisco Espla, Morante de la Puebla, Juan Bautista
  • Dax: 7.500 Besucher  - No hay billetes
    • Diego Urdiales, Iván Fandiño, Pepe Moral
  • Ronda: 6.000 Besucher  - No hay billetes
    • Manuel Manzanares, José María Manzanares, Cayetano, Alberto López Simón
  • Valladolid: 11.000 Besucher  - No hay billetes
    • El Juli, Alejandro Talavante, David Mora
  • Alcañiz (Teruel): 4.396 Besucher  - No hay billetes
    • Sergio Dominguez, El Cordobés, Conchi Ríos
  • Navaluenga (Ávila): 3.000 Besucher  - No hay billetes
    • Enrique Ponce, Fortes, Joaquín Galdós
Allein an dieser kleinen Auswahl kann man die Verhältnismässigkeit der misión abolición in Madrid erkennen. Stellt man es grafisch dar, bekommt man einen noch besseres Verständnis für diese Thematik:
Besucher am Samstag den 10. September bei den einzelnen Veranstaltungen
Aber die 43 corridas waren noch nicht alle Veranstaltungen, welche mit den toros stattgefunden haben. Hinzu kommen zahlreiche festejos populares, so genannte toros en la calle, welche am selben Tag von 104.500 Menschen aufgesucht worden sind.

Zählt man nun von festejos taurinos jeglicher Art alle zusammen kommt man an diesem Samstag auf die stolze Zahl von 210.000 Menschen. Eine Tatsache, die man den 4.000 antitaurinos in Madrid ruhig mal gegenüberstellen kann.
So sah es am Samstag den 10. September 2016 aus.
Allein in der französischen plaza de toros von Arles fanden sich mehr als drei Mal so viele
Zuschauer ein, wie bei der misión abolición von PACMA in Madrid.

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Q u e l l e n n a c h w e i s e :

- Subdelegación del Gobierno Valencia
- Ayuntamiento de Madrid
- El Mundo

Freitag, 23. September 2016

Die Kraft der Stiere




von Philip de Málaga


Ungewöhnlicher tödlicher Zusammenprall zweier toros in Sangüesa
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Die 5.000 Seelengemeinde Gemeinde Sangüesa befindet sich in der nördlichen Region Navarra und ist einigen nicht ganz unbekannt, weil sie direkt am berühmten Jakobsweg liegt. Sie verfügt über eine plaza de toros der 3. categoría mit einem aforo für 3.600 Personen. Damit bietet die plaza für über 70 Prozent der Bevölkerung einen asiento. Was zeigt, wie gross die afición in dieser kleinen Ortschaft ist, so gäbe es auch für diesen September drei corrida de toros und eine novillada.
Für den tarde de toros am Freitag der letzten Woche stand ein cartel auf dem Program mit den jungen novilleros Samuel Gil, Oier Iturbide, Gabriel und Diego Echeverri.

Die novillos kamen von der ganadería Antonio San Román aus Ávila. In den letzten Jahren ist es immer populärer geworden, die toros den aficionados schon vor dem festejo taurino zu präsentieren. Auch hier wurde ein so genanntes desencajonamientos praktiziert, welche sich in den letzten Jahren immer grösserer Popularität erfreuten, weil es den aficionados die Möglichkeit gab, die toros schon vor der corrida zu beobachten und zu bewerten, damit man eine Vorstellung haben konnte, welchen toros die toreros begeben werden.

Doch an diesem Vormittag des Donnerstages in der vergangenen Woche geschah etwas höchst ungewöhnliches. Die Transportkisten mit den novillos wurde ohne Probleme im ruedo abgestellt. Und dann begann das desencajonamiento. Die puertas der Transportkisten wurde geöffnet und die ersten zwei novillos preschten ins ruedo. Zwei von ihnen im rasenden Galopp machten eine Runde, entlang am Rande der barrera, in hoher Geschwindigkeit, kürzten am Ende ein wenig ab und prallten frontal zusammen.
Entsetzt über das gesehen, starrte das Publikum von den tendidos in das ruedo. Da lagen sie fast bewegungslos am Boden. Beide novillos. Da versuchten noch einige mozos sie wieder auf die Beine zu bringen, doch vergeblich. Den Tieren konnte nicht mehr geholfen werden und mit der puntilla beendete man das Leiden der Tiere. Es war so kurios dass es sogar in den spanischen Hauptnachrichten des Senders N24 gebracht wurde.
Was war da nur geschehen? Hat hier die bravura der novillos dermassen überwogen, dass sie nicht mehr in der Lage waren, dass sie mit solch einem Mut zu so einer Geschwindigkeit erlegten, sodass sie dem offentsichtlichen Hindernis nicht mehr ausweichen konnten? Nun, dass toros auf den grossen Weiden der dehesas untereinander sich bekämpfen ist keine Neuigkeit. Da ist man es gewöhnt auf seine Artgenossen loszugehen. Besonders wenn man sich bedroht fühlt oder es gilt Reviere zu verteidigen. Aber mit solch einer Geschwindigkeit gegeneinander ist doch eher ungewöhnlich. Die novillos haben sich wohl im Rund des ruedos auch gegenseitig erst spät gesehen.

Die Berichterstattung einiger deutscher Medien, dass es sich hierbei um "Stiere von einer halben Tonne" gehandelt habe, und damit auch die tödlich Folgen erklärten entspricht nicht ganz der Wahrheit. Es handelte sich hierbei nicht um ausgewachsene toros sondern um junge novillos, welche keine 300 Kilo auf die Waage brachten.

Das toros überhaupt manchmal eine solch Geschwindigkeit auf die Hufen bringen, dass sie am Zusammenprall mit dem burladero sterben ist schon häufiger geschehen, wie im nachfolgenden Beispiel zu sehen ist, wo ein vierjähriger toro mit dem Eckpfosten eines burladeros tödlich kollidiert:
Auch wenn solche Momente und Szenen nicht nur umhübsch anzusehen sind, sich Enttäuschung breit macht und ein gewisses Mitleid mit dem Tier, so zeigt es zumindest auf, wie gefährlich solche toros sein können. Sie beschleunigen auf den ersten zwanzig Metern schneller als ein Rennpferd. Und nun stelle man sich bei diesem oben geschilderten Zusammenprall mit novillo oder burladero einen Menschen vor, der diesen gefährlichen Angriff zu parieren hat, um mit seiner capa eine gute figura abzugeben. Keine leichte Aufgabe, welche vor allem Mut erfordert. Dieses zeigt ziemlich klar auf, in welch gefährliche Situation sich die toreros besonders zu Beginn, nur mit einer capa bewaffnet begeben. 

Donnerstag, 22. September 2016

Auch in Portugal sind die Stiere auf dem Bildschirm populär





von Peter K. aus Köln


Gestern erreichte SfA ein Schreiben und ein Gästebucheintrag zum Thema der TV-Übertragungen über die toros in Spanien, auf die wir gerne eingehen wollen. So schrieb Herr Peter K. aus Köln:
" ... Wir finden es sehr bedauerlich, daß das staatliche Fernsehen von Spanien auf seinem internationalen Kanal nichts überträgt. Weder Tendido Cero noch werden die wenigen Corridas gezeigt, welche live übertragen werden. Genauso schade ist es, dass man vía Satellit nicht an die anderen lokalen Sender wie aus Madrid oder La Mancha dran kommt. Der einzige Sender für uns Aficionados in den deutschsprachigen Ländern ist bis jetzt nur Canal Andalucia. Sehr bedauerlich für uns, schön für die Spanier. 
Aber neben den Spaniern können sich auch die portugiesischen Nachbarn freuen. Denn Bekannte von uns in Lissabon erzählte, dass dort vom staatlichen Sender ebenfalls regelmäßig Corridas, meistens zu Pferd übertragen werden. Und die Zahl der interessierten Zuschauer scheint nicht klein zu sein. Aber auch von denen bekommen wir in Köln nichts zu sehen ... "
Vielen Dank für den Hinweis.




von Philip der Málaga


Auch in Portugal sind die Übertragungen von Stierkämpfen populär
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Wie das Portal la economía del toro berichtete, kann man den Ausführungen des SfA-Lesers Peter K. aus Köln nur zustimmen. 

Denn in der Tat überträgt der öffentliche portugiesische Fernsehsender Radio e Televisão de Portugal auf seinem Hauptkanal RPT 1 regelmässig festejos taurinos, vor allem corridas de rejones mit den forcados. Obwohl die meisten Übertragungen zur späten Stunde stattfinden, weit nach 22 Uhr, teilweise 23 Uhr, kommt der Sender auf eine doch hohe Einschaltquote von 12 bis 15 Prozent. Auf jeden Fall nimmt RTP1 zu dieser Stunde, während der Übertragungen von toros die Spitzenposition in Sachen Einschaltquote unter den portugiesischen Anbietern ein. 

Mittwoch, 21. September 2016

Die Welt der Stiere erfreut sich wieder grosser Beliebtheit beim spanischen Fernsehpublikum




von Philip de Málaga


Die Fernsehsender melden wieder hohe Einschaltquoten
und ziehen eine positive Bilanz für das Jahr 2016
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Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Zahl der aficionados de toros am sinken sei und das Interesse an der tauromaquia auch immer kleiner werde. Wer aber einen Blick in die Realität wirft, wird eines anderen belehrt. Die grossen ferias taurinas konnten in der Regel die Zahl ihrer abonados halten oder vergrössern, ziemlich viele festejos taurinos wurden gut besucht, die Presse berichtet regelmässig von der mundo taurino und schliesslich die Fernsehanstalten, die in diesem Jahr erfreuliche Zahlen, meint erneut steigende Einschaltquoten, gar Rekordwerte vorweisen kann. Nicht umsonst wird weiterhin aus der mundo de los toros berichtet, denn es scheint ja ein gewisses Interesse vorhanden zu sein, wie es ja die Einschaltquoten demonstrieren. 2016 war ein erfolgreiches Jahr für die toros auf dem Bildschirm.
Auch wenn viele der Meinung sind, in Spanien will das öffentliche Fernsehen nichts mehr mit den toros zu tun haben, so wird er hier vor Ort eines anderen belehrt. Da gibt es zum einen die fast einstündige informative Sendung Tendido Cero, welche das ganze Jahr über mindestens 300.000 Zuschauer vor den Bildschirm zieht. 

Hinzu kommen die Übertragungen von ein bis zwei corridas de toros live, welche durchschnittlich von einer Million Menschen verfolgt werden.

Der Publikumsmagnet des öffentlichen Fernsehens dürften jedoch die encierros von San Fermín aus Pamplona sein. Auch in diesem Jahr wurde weltweit via Satellit übertragen und die morgendlichen Treiben der toros einem Millionenpublikum geboten. Allein in Spanien verfolgten durchschnittlich 1.652.000 Zuschauer die encierros. Die höchste Einschaltquote gab es am 10. Juli mit mehr als 1,8 Millionen Zuschauer. Zu dieser frühen Stunden erreichte das öffentliche Fernsehen und der Privatsender Canal+ eine Einschaltquote von fast 70 Prozent!

Für zwanzig Euro im Monat kann man sich beim Privatsender Canal+Toros Einbuchen. 24 Stunden täglich wird aus der mundo de los toros berichtet. Und live von fast allen wichtigen  ferias taurinas, wie Madrid, Sevilla, Bilbao etc. Viele haben diesen Kanal schon tot geschrieben, aber aus irgend einem Grund übertragen sie immer noch, und das schon seit sechs Jahren. Laut inoffiziellen Quellen zählt der Kanal um die 200.000 Abonnenten.

Andalusien, die Heimat, das Geburtsland der tauromaquia. In keiner Region Spaniens werden die toros als Kulturerbe dermassen respektiert, geschützt und gefördert wie in Andalusien. Und so versteht es sich, dass der lokale Sender Canal SUR über Andalucía TV ihr kulturelles Programm, und dazu gehören selbstredend die toros  in die ganze Welt überträgt. Besonders populär das Programm Toros para Todos mit dem charismatischen Moderator Enrique Romero, der sein Programm selbst als Formel Eins unter den Stierkampfmagazinen sieht. 

Das Besondere an diesem Programm ist vor allem, dass hier nicht nur von den festejos taurinos berichtet wird, sondern der Schwerpunkt richtet sich auf die Stierzucht. Hier erfährt der Zuschauer viel über die ganaderías und die toros. Und mit einer Einschaltquote von stolzen 20 Prozent übertrifft es zur selben Zeit alle grossen Konkurrenzsender (TVE 1 mit 10%, CUATRO mit 9%, Antena 3 mit 6%, Telecinco mit 5%) und liegt beim eigenen Sender weit über dem täglichen Durchschnitt von 8%.

Hinzu kommen die Liveübertragungen von corridas de toros und dem beliebten Certamen de las Escuelas Taurinas, welches sich auf mehrere Sonntage von März bis Juli verteilt. Hieran erkennt man, wie man in Andalusien bereit ist, den Nachwuchs zu fördern.

Kommen wir zur spanischen Hauptstadt. Obwohl Rathaus und Kreistag die tauromaquia weder schützen oder gar Förden, freuen sich die toros in Madrid weiterhin grosser Beliebtheit. Nicht nur die feria taurina, San Isidro war zu grossen Teilen ausverkauft, sondern auch die Liveübertragungen von TeleMadrid kamen gut bei der afición an. Und so kam dieser doch eher kleine Sender auf eine immerhin stolze Einschaltquote von 5 bis 9 Prozent bei seinen Liveübertragungen von nicht wenigen corridas de toros aus verschiedenen Teilen Spaniens. Allerdings lassen sich diese festejos leider nur auf den Bildschirmen in Madrid betrachten.

Er war der erste grosse funktionierende Privatsender in Spanien. Und schon immer würden sie sich viel mehr der tauromaquia zu wenden. Doch verschiedene Versuche scheiterten. Sei es ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen oder Liveübertragungen von corridas erfolgreich zu vermarkten. Vor einigen Jahren legte sich der Sender sogar mit dem öffentlichen Fernsehen RTVE an, indem sie in Pamplona zu den encierros in San Fermín parallel übertrugen. Doch der Angriff wurde zu einem audienzmässigen Fiasko. So zog man sich zurück. Aber schon seit Jahren, gelang es dem Sender sich bei zweitgrössten encierro von Spanien zu positionieren. In San Sebastián de los Reyes, einer Vorstadt von Madrid. Beim ersten encierro am Freitag den 26. August kam der Sender mit 413.000 Zuschauern auf eine Quote von 14,3 Prozent. Ein Ergebnis, welches 2,3 Prozent über dem Durchschnitt des Kanals liegt. Insgesamt verfolgten die drei encierros knapp 900.000 Zuschauer.

Das Don Quijote es schon mit den toros probierte um es dann sein zu lassen, darüber hatte SfA ja schon geschrieben (Don Quijote und die Stiere). Aber trotzdem sind in der La Mancha die toros weiterhin beliebt. Und das lokale Fernsehen schafft es immer wieder mit den Stieren eine beindruckende Zahl an Zuschauern vor die Bildschirme zu locken. In diesem Jahr standen sieben Liveübertragungen von corridas de toros auf dem Programm mit einer durchschnittlichen Einschaltquote von 16,3 Prozent. In Cuenca, wo sich am 20. August diesen Jahres die derzeit wohl bekannteste matadora de toros Cristina Sánchez, mit den figuras Enrique Ponce und El Juli sich wieder im ruedo präsentierte, gab waren es gar 24 Prozent!

Abschliessend sei beobachtet, gewiss locken die toreros längst nicht so viele Menschen vor den Bildschirm wie die Fussballer. Aber auch hier zeigt sich ein stetiges und Interesse ist stets vorhanden. Selbst im kulturellen Bereich zieht die tauromaquia mehr Leute vor den Fernseher wie bei anderen Veranstaltungen. Auch ist eine Tendenz zu beobachten. Die Einschaltquoten halten sich nicht nur konsequent stabil, sondern sie beginnen seid zwei Jahren wieder zu steigen.