Freitag, 9. Dezember 2016

Die am höchsten gelegene Plaza de toros der Welt

Wenn eine indigene Bevölkerung in über 4.000 Meter Höhe
zu den Stierkämpfen geht. Der ganze Ort ist dabei!
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von Philip de Málaga


Die südamerikanische Republik Peru ist bekannt für ihre Höhenrekorde, welche auch teilweise im Guinnessbuch festgehalten sind. So findet sich hier auf 5.100 Metern über dem Meeresspiegel im Andengebirge die höchstgelegenste Stadt der Welt: La Rinconada mit 50.000 Einwohnern. Bis zum Jahr 2006 fuhr hier der Ferrocaril Central Andino auf 4.781 als höchste Bahn der Welt durch die Bergwelt der Anden.

Besonders in der vergangenen temporada taurina machte die mundo de los toros aus Peru auf sich aufmerksam. Nicht nur die beiden tragischen Todesfälle des novilleros Renatto Mota und des matadores de toros El Pana sondern auch die peruanische und derzeit sehr populäre figura Andrés Roca Rey sorgten besonders in diesem Jahr für Interesse für die mundo taurino in der südamerikanischen Anden-Republik.

Wenn man nun die beiden vorherigen Absätze verbindet, stellt sich die Frage, ob die Höhe über dem Meeresspiegel sich mit der mundo de los toros irgendwie in Einklang bringen lässt? Und in der Tat ist das so.
Plakat der feria taurina aus dem Jahr 2015

Denn die am höchsten gelegene plaza de toros der Welt befindet sich in Macusani, der Hauptstadt der Provinz Carabaya in der Region Puno im Süden von Peru. Mit ihren knapp 12.000 Einwohnern organisieren sie hier bei eher frischen Temperaturen von zehn bis achtzehn Grad Celsius ihre feria taurina. Zu Ehren der Unbefleckten Jungfrau finden dort jedes Jahr in der ersten Dezemberhälfte zwei bis drei corridas statt.

Sie feiern ihre feria taurina im Dezember.
Vorne links erkennt man die kleinen Logen und hinten auf dem Hügel die vielen aficionados.
In einer Höhe von 4.315 Metern bietet der coso taurino, an einem Hang gelegen, der ganzen Gemeinde Platz. Offiziellen Angaben zufolge können dort bis zu 13.000 Zuschauer die tarde de toros verfolgen. Die meisten davon auf dem Berghang sitzend, gegenüber in den Logen das Ehrenpublikum. Auffallend hierbei der hohe Anteil von fast siebzig Prozent an indigenen aficionados de toros.
Immerhin handelt es sich bei diesem coso um eine plaza de toros der ersten categoría. Und im Dezember 2012 wurden die corridas auf Grund der Initiative ihres Bürgermeisters Don Augusto Ronald Gutierrez Rodrigo zum patrimonio cultural, zum Kulturerbe deklariert.

Toros in den Anden vor indigenem Publikum, auch das gibt und zeigt wieder einmal die Vielfältigkeit der mundo de los toros auf.
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Siehe auch:


Tod am Nachmittag in Peru (1) vom 19.5.2016

Tod am Nachmittag in Peru (2) vom 20.5.2016
Rennato Mota, es hätte auch anders ausgehen können vom 24.5.2016
El Pana, die Stiere, die Zigarren und der Tod (1. Teil) vom 5.6.2016
El Pana, die Stiere, die Zigarren und der Tod (2. Teil) vom 6.6.2016

Weitere Artikel über Peru finden Sie in der Sektion Ausland (Themenübersicht) unter dem Begriff Peru.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Der Stierkampf gehört zu den zehn beliebtesten Besuchszielen in Spanien




von Philip de Málaga
Wie das spanische Ministerium für Kultur mitteilte, gehörten die festejos taurinos in Spanien im Jahr 2015 mit zu den zehn am meist besuchtesten Einrichtungen, bzw. Veranstaltungen. Von den knapp 47 Millionen Einwohnern suchten 4,5 Millionen Spanier die mundo taurino mindestens ein Mal auf. Das sind knappe zehn Prozent! Hinzu kommt die Zahl der ausländischen aficionados de toros, vor allem aus Frankreich und Portugal. Dabei bleibt festzustellen, dass zahlreiche dieser aficionados mehrmals zu corridas gingen und ein Grossteil gar über so genannte abonos verfügt. 
  1. Monumente und Bauwerke (54 %)
  2. Vergnügungsparks (42,5 %)
  3. Museen (33,2 %)
  4. Bibliotheken (25,6 %)
  5. Fussball (24,9 %)
  6. Pop-Konzerte (24,8)
  7. Ausstellungen (23,8 %)
  8. Theater (23,2 %)
  9. Kunst-Galerien (12,7 %)
  10. Stierkampf (9,5 %)
  11. Klassische Musik (8,5 %)
  12. Ballet (7 %)
Die Oper, welche vom Anspruch her oft mit den toros verglichen wird landet mit 2,6 Prozent weit hinten.

Im Vergleich zu 2011, also vor fünf Jahren, wo die mundo de los toros in ihrer grossen Krise steckte, ist dies eine Steigerung von einem Prozent. Wirft man zurück einen Blick auf das Jahr 2007, wo die tauromaquia in Spanien sich grösster Beleibtheit erfreute, fehlen gerade mal 0,3 Prozent, um diesen Wert erneut zu erreichen, gar zu übersteigen. Man kann davon ausgehen, dass dieses laufende Jahr 2016 mit Sicherheit eine weitere Steigerung hervorbringen wird. 
Der Stierkampf in Spanien zieht wieder immer mehr Publikum an (Foto: Sabina Schock / Stierkampf)
Mit anderen Worten, die toros erfreuen sich wieder einer steigenden Beliebtheit. Die Zahl der festejos taurinos hat sich zwar reduziert, aber man hat sich bemüht, die Qualität in Sachen toros und toreros in den einzelnen plaza de toros zu erhöhen. Mit Erfolg. 

Zahlreiche Fernsehprogramme, wie zum Beispiel das andalusische Toros para Todos sorgen dafür, dass das Interesse nicht nur an den corridas alleine, sondern an der gesamten mundo de los toros  begonnen bei der Zucht auf den ganaderías, über das Leben der taurinos, wie der toreros bis hin zu den aficionados in den tendidos, gestiegen ist. Das Interesse der kulturellen Szene für die tauromaquia wie zahlreiche Künstler und Schriftsteller aus der ganzen Welt, tragen mit Sicherheit ihren Teil dazu bei.  

Freitag, 4. November 2016

Federico García Lorca




von García Lorca


Der Poet aus Andalusien Federico García Lorca (1898 bis 1936) war ein grosser aficionado de toros und ärgerte sich stets über die Argumente gegen die tauromaquia, welche diese als unkultiviert oder barbarisch abwerteten. Er wählte stets deutliche Worte wenn es um die fiesta de los toros ging. Nicht nur schuf er grosse Poesie, wie er verteidigte diese auch mit ganzer Leidenschaft. Allein schon im Leitsatz von SfA spiegelt sich dieses wieder.
"Das toreo ist der vitale und poetische Reichtum Spaniens, mit welchem zahlreiche Künstler und Artisten viel zu verschwenderisch umgehen, was wohl an der falschen Erziehung und Ausbildung gelegen habe. Und erst die Menschen unserer Generation haben sich dagegen aufgelehnt. Ich glaube das die toros die kultivierteste fiesta der Welt ist!"
Diese Worte wurden nur zwei Monate vor seiner Hinrichtung in der Tageszeitung Dario El Sol in seinem letzten Interview am 10. Juni 1936 veröffentlicht.

Zu den bedeutenden Werken der spanischen Poesie gehört mit Sicherheit sein Werk Klage um Ignácio Sánchez Mejías, aus dem Jahr 1935, wo er den Tod im ruedo des toreros Ignácio Sánchez Mejías durch den toro Granadino im Jahr 1934 beschreibt. SfA-Mitarbeiterin Torodora Gorges geht auf ihrer Seite torodoro mehr auf dieses Gedicht und die Thematik ein.

Der Poet García Lorca hier bei seinem Freund den torero Sánchez Mejías
Nicht nur in der Klage beschäftigte sich García Lorca mit dem maestro Ignácio Sánchez. In einer anderen Poesie richtet er sich direkt an den torero:
Es gab keinen anderen Prinz in Sevilla 
den man hätte vergleichen können. 
Nicht ein Schwert wie sein Schwert. 
Kein Herz, so wahr. 
Welch ein grosser Torero in der Plaza, 
welch ein grosser Berg in der Sierra, 
wie weich die Dornen, 
wie schwer mit den Sporen, 
so zart wie die Jungfrau von Rocío, 
wie blendend die Feria, 
wie fürchterlich mit den letzten 
banderillas in der Dunkelheit. 
Der Poet litt und erstrahlte bei den corridas. Sufrimiento und Alegría García Lorca und die toros. Intellektuelles Verständnis und die tauromaquia. Beides gehört zusammen. Öffnet neue geistige Dimension, die Wertarbeit des Lebens und die Rolle des Todes:
"Es ist ein pures Drama, wo der Spanier seine wertvollsten Tränen vergiesst, und dabei Gift und Galle speit. Die plaza de toros ist der einzige Ort wo man dem Tod begegnen kann umgeben von blendender Schönheit."
Federico García Lorca liebte die toros und hatte auch den grössten Respekt für diese Tiere. Er kannte die Gefahr welche von so einer embestida ausging. Sein Platz war in den tendidos, bloss nicht vor der barrera im ruedo. Ihm wird das abschliessende Zitat zugeschrieben, welches aber nirgends dokumentiert ist.
"Ich liebe den toro wie den Mond. 
Je weiter weg, umso besser."

Donnerstag, 3. November 2016

"Der" galaktische Stierkampf des letzten Jahrhunderts

Es war eine "der" corridas de toros in Madrid
welche den Spaniern ewig in Erinnerung bleiben.
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von Philip de Málaga


Wir schreiben den 1. Juni 1982. In der grössten plaza de toros von Europa, in Las Ventas fand vor einem No hay billetes eine corrida de toros statt, bei der die matadores de toros Ruiz Miguel, Luis Francisco Espla und José Luis Palomar mit den toros der schon damals populären ganadería Victorino Martín antraten. Man erwartete voller Sehnsucht diese corrida, denn die beliebte ganadería kehrte nach drei Jahren ausencia wieder in das ruedo der spanischen Hauptstadt zurück. 

Und mit welchen toros. Noch heute sind vielen aficionados diese Namen in Erinnerung geblieben, "Pobretón", "Playero", "Mosquetero", "Director", "Gastoso" und "Carcelero". Beeindruckende Exemplare welche von der Tageszeitung ABC als "Que máquinas de embestir!" (Welch Maschinen des Angriffs) betitelt wurden. Und so begegneten 6 toros bravos 6 drei hoch motivierten maestros, welche in Las Ventas  den duende in die tendidos transportierten, zu sechs orejas kamen und zusammen mit dem ganadero auf den Schultern durch die Puerta Grande getragen worden sind. So etwas gibt es in Madrid nicht oft und dieses festejo taurino ging als Corrida del Siglo in die Geschichte der tauromaquia ein.
1. Juni 1982: Drei toreros und der ganadero triumphieren in Madrid.
Noch etwas zeichnete diesen tarde de toros aus. Er wurde nämlich live im staatlichen Fernsehen übertragen mit einer starken Einschaltquote.
Im letzten Beitrag von SfA wurde der populäre Fussballspieler Juan Gomez González "Juanito" vorgestellt. Nicht nur er war ein leidenschaftlicher aficionado de toros, sondern auch andere Kollegen wie Rafael Gordillo. Aber leider konnten sie diese fiesta de los toros nicht verfolgen, weil sie wegen der in Spanien organisierten Fussball-WM zum Training antreten mussten. 

Wenige Tage später wurden die Fussballer von der spanischen Ministerin für Kultur, María Soledad Becerril Bustamante, Marquise von Salvatierra (im Norden der Provinz Álava) und sie fragte die engagierten Sportler, ob sie ihnen einen Gefallen erfüllen könne. Ohne zu zögern baten viele Fussballer, ob man die Corrida del Siglo nicht noch einmal im Fernsehen zeigen könne.

Auch die afición der spanischen Hauptstadt schrie geradezu nach einer Wiederholung. Victorino in Madrid, dass muss man doch gesehen haben. Denn Las Ventas ohne Victorino sei wie das Prado Museum ohne Velazquez oder Paris ohne den Eifelturm. Die toros aus Galapagar (bei Madrid) gehören einfach zu San Isidro.

Die Nachfrage war so gross, dass die Corrida del Siglo ganze drei Mal im spanischen Fernsehen wiederholt worden war. So gab man ihr auch den Namen corrida galáctica, weil sie für so hohe Einschaltquoten sorgte wie eben damals die Verfilmung von "E.T.". 

Mittwoch, 2. November 2016

Juan Gómez González "Juanito"




mit "Juanito"

Auch wenn man es vermuten könnte, bei Juan Gómez González "Juanito" handelt es sich nicht um einen torero, sondern um einen der bekanntesten Fussballer Spaniens. In den zehn Jahren von 1977 bis 1987 spielte dieser  auffallend schnelle Flügelstürmer mit teilweise verblüffender Spielweise 284 Mal für den spanischen Rekordmeister Real Madrid. Dieser Ausnahmefussballer war aber auch ein leidenschaftlicher aficionado de toros und besuchte regelmässig festejos taurinos. In den tendidos war er stets ein gern gesehener wie auch kompetenter Gast. Auch im ruedo probierte er sich. Nach einer corrida benéfica mit vaquillas wurde er von Real Madrid mit einer Sanktion von 300.000 Peseten belegt, weil er seinen sportlichen Körper bei diesem festejo unnötiger Gefahr ausgesetzt hätte und sein Vertrag erlaube nicht, dass er seiner afición als aficionado práctico nachgehe. In Fuengirola 1954 geboren war er auch mit toreros wie dem Hause Galan oder dem maestro Fernando Cámara befreundet. Zu seinem tragischen Tod bei einem Verkehrsunfall im Jahr 1982 veranstaltete sein Geburtsort Fuengirola eine corrida de beneficencia.

Dienstag, 1. November 2016

La Malagueta soll zu einem Mehrzweckzentrum werden




von Philip de Málaga


Die Arena von Málaga soll das ganze Jahr in Betrieb sein

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Wie Don Elías Bendodo von der Diputación de Málaga mitteilte wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um Entwürfe einzureichen, die La Malagueta, die plaza de toros der südspanischen Metropole in ein "Mehrzweckzentrum zu verwandeln.
Elías Bendodo, verantwortlicher Abgeordnete für die plaza de toros
Gewiss, im Mittelpunkt würden natürlich weiterhin die toros stehen, mit ihren an die fünfzehn espectáculos taurinos. Aber es könne nicht sein, das ein so beeindruckendes Bauwerk, wie dieser coso die restlichen Tage im Jahr leer stehe. Zwar befinden sich im unteren pasillo einige gastronomische Betriebe, ein museo taurino und zwei Mal in der Woche trainieren die alumnos der escuela taurina. Gelegentlich auch Konzerte. Aber das sei zu wenig. Die plaza de toros sollte nutzbarer gestaltet werden. Sie sei Eigentum der Provinzregierung von Màlaga und sollte auch dementsprechend mehr im Dienst für die Provinz Málaga stehen. Genauso wie Las Ventas in Madrid, so soll auch die Malagueta dem Bürger mehr dienen. 
La Malagueta in Málaga
Joaquín Recoba
Die plaza de toros von Málaga wurde von dem damals bekannten Architekten Joaquín Recoba (1844 - 1919) im Jahr 1874 entworfen und 1876 fertiggestellt. Hundert Jahre später, 1976 wurde es zum kunsthistorischen Bauwerk im Neomudéjar-Stil (wie auch die von ihm entworfene Markthalle von Málaga) deklariert, und 1981 zum nationalen Kulturgut (BIC).

Und nun soll dieser coso für die Zukunft so vorbereitet werden, dass er das ganze Jahr über genutzt werden kann. Mehr Grossveranstaltungen, auch im Winter, mehr Gastronomie sowie verschiedene Ausstellungsräume. Für Elias Bendodo ist dieses ein sehr wichtiges un umzusetzendes Projekt geworden. Über das ganze nächste Jahr ist es ausgeschrieben und man erhofft sich interessante Angebote von verschiedenen Architekten. 

Montag, 31. Oktober 2016

Warum weniger Stierkämpfe in den grossen Plazas organisiert werden, als eigentlich sollten





von Philip de Málaga


Warum halten sich einige Veranstalter 

nicht an das Regelwerk?
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Gestern hat SfA Post von Herrn Gärtner aus Galizien erhalten:
"Mit Interesse habe ich die Statistiken gelesen, und bin schon erstaunt, wie allein da Madrid und Las Ventas stehen. Ich dachte bis jetzt, dass zumindest die Plazas der Primer Categoría mindestens 15 Stierkämpfe veranstalten müssen. Das ist wohl nicht der Fall. Habe ich mich da so geirrt?"
Gerne gehen wir darauf ein. 

Unter Bezug der ersten Frage nach der Anzahl der festejos taurinos in der ersten categoría liegt Herr Gärtner vollkommen richtig. In Artikel 23, Absatz 2 des reglamento taurinos ist folgendes festgehalten:
"Es können die plazas der Provinzhauptstädte in der ersten categoría eingestuft werden, welche jährlich mehr als 15 espectáculos taurinos veranstalten, wobei es sich mindestens um 10 corridas de toros handeln muss."
Mit anderen Worten, die plazas de toros der ersten categoría in Spanien sollten also mehr als 15 festejos taurinos anbieten. Darunter mindestens zehn klassische Stierkämpfe mit ausgewachsenen toros, eben jene corridas de toros. Wenn man nun einen Blick auf die Statistiken wirft, stellt man wie Herr Gärtner fest, dass sich nur drei empresas sich an das reglamento halten. Das sind Madrid, Sevilla und Valencia. Bei den restlichen plazas gibt es ein Defizit:
Wie lässt sich so etwas erklären? Grundsätzlich gibt es verschiedene Ansatzpunkt zu dieser Thematik. Zunächst einmal wäre da der politische Druck, wie zum Beispiel im Fall von San Sebastián wo der Bürgermeister des sozialistischen Wahlbündnisses Bildu die festejos taurinos in der plazas de toros Illumbre, trotz fehlender Mehrheit verboten hatte. So wurde auch die Monumental de Barcelona mit dem katalanischen Verbot zuerst auf acht corridas dann auf Null degradiert. 

An nächster Stelle sollte das Interesse der empresarios genannt sein. Solch eine temporada taurina will nicht nur durchführbar, sondern auch finanzierbar sein. Populäre figuras und toros von angesehenen ganaderías müssen in ein finanzielles Verhältnis gebracht werden, damit man die entradas so anbieten kann, dass sich die tendidos auch füllen. Denn ein Ziel einer jeden empresa muss es sein, so viel wie möglich an abonos, also Dauerkarten zu veräussern. Eine plaza, die sich während ihrer feria taurina nicht zu mindestens fünfzig Prozent füllt, wird keine grüne Zahlen aufweisen können. 

Die Entscheidung, welche empresa die temporada taurina ausrichtet trifft in der Regel die diputación der Provinz oder das Rathaus der jeweiligen Stadt. Hier kommt es dann auf das diplomatische Verständnis der Entscheidungsträger an. Und in einigen politischen Kreisen haben sie erkannt, dass man durchaus mehr erreichen kann, wenn man weniger corridas anbietet, aber dafür das Niveau hochschraubt. So zum Beispiel in der La Malagueta. Dort akzeptierte man weniger festejos taurinos  aber die empresa hat die Zahl de espectáculos taurinos anderweitig ausgeglichen. Da wurden zum Beispiel zur Feria von Málaga vier Tage lang ein certamen international de las escuelas taurinas angeboten und der Eintritt war frei. Mehr als 35.000 Personen verfolgten diese festejos. Oder durch zusätzliche clases magistrales, wo Schüler einer escuela taurina mit Anwesenheit eines matadores de toros, welcher die einzelnen Manöver durch ein Mikrophon dem Publikum in den tendidos erklärt. Auch charlotadas mit komisch und klein anmutenden torero-Clowns, die recortadores  oder eine öffentliche desencajonada ergänzen das taurinische Angebot.

Auch mit einem certamen de las escuelas taurinos lassen sich die tendidos füllen.
Hier am Beispiel im August in der La Malagueta im südspanischen Málaga.
Und in der Tat scheint in den beiden letzten Jahren das Konzept aufgegangen zu sein. Die corridas wurden auffallend mehr besucht, auch von einem jungen Publikum und die intensive Berichterstattung durch die Medien spiegelt ein leicht wieder kommendes Interesse für die toros wieder.

Sonntag, 30. Oktober 2016

v.h.b. ist verstorben




von Philip de Málaga


Der deutsche Aficionado de toros verstarb in München

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v.h.b. (1941 - 2016)
Er war ein leidenschaftlicher aficionado de toros und ist vielen deutschen aficionados bekannt. Verbrachte einen grossen Teil seines  Lebens im andalusischen Granada, war mit einer Spanierin verheiratet und seine Liebe gehörte auch den toros. "Man sollte die spanische Sprache schon ein wenig beherrschen um etwas von den toros zu verstehen", war seine Überzeugung und "der grösste Teil der Deutschen würde nichts von der tauromaquia verstehen, weil ihnen die Mentalität vollkommen fremd sei. Und dabei seien die Spanier viel menschen- und kinderfreundlicher als die Deutschen!

Trotzdem war es ihm ein Anliegen den Deutschen die mundo de los toros näher zu bringen, ihnen zu erklären warum diese für Spanien wichtig sei und warum so viele Menschen sich dafür begeistern. Leider hätte er damit zu spät begonnen. Im Spanienforum war er wohl der letzte deutschsprachige Vertreter der tauromaquia. In seinem Thema Neues von den Stieren berichtete er über Aktuelles aus der Welt der toros. Viel wurde er dafür kritisiert, aber er liess sich dadurch nicht aufhalten weiter zu berichten, denn er hatte sehr wohl seine treue Leserschaft. Sein Thema Neues von den Stieren wurde schon über 65.000 Mal angeklickt.

Seinen Lebensabend verbrachte er in München. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, in den spanischen Medien weiterhin seine afición für die toros weiter zu verfolgen und in der Sektion Stierkampf des Spanienforums darüber zu erzählen. Auch SfA versorgte er mit aktuellen Informationen. Die Berichterstattung in den deutschen Medien betrachtete er sehr kritisch. Auch deutsche aficionados, welche sich als Kenner gerne ins Licht stellen, aber nicht mal die spanische Sprache beherrschen, sah er doch eher der Sache nicht gerade förderlich. Auch die direkten Konfrontationen mit den antitaurinos gefielen ihm gar nicht. "Einfach nur erzählen wie es ist, ganz wie Hemingway", das war sein Motto.

Nun ist Volkmar (Jahrgang 1941), der sich für die tauromaquia als v.h.b. einsetzte in München am 21. Oktober diesen Jahres im Krankenhaus verstorben. Mit ihm ist der Welt nicht nur ein aficionado de toros verloren gegangen, sondern auch ein grosser Spanienkenner. 

Volkmar, descanse en paz.

Samstag, 29. Oktober 2016

Wo gab es 2016 die meisten Stierkämpfe in Europa




von Philip de Málaga


Die spanische Hauptstadt Madrid führt alleine diese Liste an
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Wer einen Blick in die Statistiken von 2016 wirft, wird erstaunt feststellen, dass es in Europa gerade mal 8 plaza de toros sind, welche in diesem Jahr mehr als 10 festejos taurinos organisiert haben. 
Und nur in drei cosos gab es mehr als 10 corridas de toros zu sehen. Nämlich in Madrid, Sevilla und Valencia. Wenn man die rejoneos einbezieht gesellen sich noch 2 plazas dazu. Lisboa und Nîmes.
Die plaza de toros Las Ventas von Madrid wo 23.798 Zuschauer in den tendidos Platz finden
Absoluter Spitzenreiter in der weltweiten mundo taurino ist mit 62 festejos taurinos die plaza de toros Las Ventas in der spanischen Hauptstadt Madrid. Vor einer durchschnittlichen Kulisse von 20.633 Besuchern (also einer Belegung von 86,7 Prozent der 23.798 Sitzplätze) gab es 35 corridas de toros, 22 novilladas und 4 rejoneos zusehen. An 8 tarde de toros füllte sich das aforo zu einem No hay billetes.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Die besten Toreros in Spanien 2016 (3. Teil)




von Philip de Málaga


Eine Bilanz, wer in diesem Jahr eine gute Figur abgegeben hat
3. Teil: Die Königsklasse, die Arenen der 1. Kategorie
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Für einen jeden torero ist es ein Ziel Verträge in den plaza de toros der 1. categoría zum bekommen um sich dann im ruedo eines in der Regel fachkundigen Publikums in den tendidos zu behaupten. Wer zu den ganz grossen figuras gehören möchte, kommt nicht darum herum, in einem und mehreren solcher cosos zu triumphieren. Aktuell gehören neun plaza de toros dieser Kategorie an:
In diesen neun plaza de toros gab es 148 festejos taurinos, davon 97 corridas de toros.
Andrés Roca Rey, Juan José Padilla und Alejandro Talavante
Die besten toreros in den plaza de toros der ersten categoría.

Fortsetzung folgt: Fazit und Zusammenfassung

Dienstag, 25. Oktober 2016

Die besten Toreros in Spanien 2016 (2. Teil)




von Philip de Málaga


Eine Bilanz, wer in diesem Jahr eine gute Figur abgegeben hat
2. Teil: Die Arenen der 2. und 3. Kategorie
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Von den 398 plaza de toros in Spanien gehören ganze 98,2 Prozent in diese Gruppe. Zur zweiten categoría gehören 40 plaza de toros, nämlich jene in den Provinzhauptstädten. Die restlichen 346 plazas gehören der dritten Kategorie an.  

In der zweiten Kategorie gab es nur eine plazas wo es mehr als zehn festejos taurinos gab. Das war mit 66 reses und 66 orejas die Stadt Albacete in der Region Castilla - La Mancha
José Garrido, Alberto López Simon und der "Pirat" Juan José Padilla
Die erfolgreichsten toreros in den plaza de toros der 2. categoría.
Die dritte Kategorie sollte man auf keinen Fall abwerten. Zu ihr gehören berühmte plaza de toros mit historischem Hintergrund, fantastischem Ambiente, sehr taurino, wie zum Beispiel die Real Maestranza de Ronda, wo jedes Jahr Anfang September mit der corrida goyesca ein taurinisches Highlight stattfindet.
David Galván, Enrique Ponce und El Fandi
die erfolgreichsten toreros in den plaza de toros der 3. categoría
Fortsetzung folgt: Die Königsklasse, die Arenen der ersten Kategorie